Erstellt im Auftrag des Lichtig-Verlags

Rezension


Die Hand der Miriam. Mit Bildern von Janina

Nejusch - Die Hand der Miriam Das Bändchen „Die Hand der Miriam. Mit Bildern von Janina“ ist ein jüdisches Märchen; ein Märchen, in das die Auseinandersetzung einer Frau mit ihrem Mutter-Sein einer autistischen Tochter eingeflochten ist. Über einen Traum trifft die Mutter auf einen Geist, der ihre eigenen Gefühle von Sorge und Angst um die Tochter verkörpert. Ein Rabbi tritt mit diesem in Kontakt und die Suche nach Harmonie mit diesen existentiellen Emotionen beginnt gemeinsam. Bereits der Titel des Bandes verweist auf die jüdische Tradition, in der Miriam als Schwester von Moses und Aaron rettende und prophetische Qualitäten besitzt. „Die Hand der Miriam“, bekannter unter dem Begriff „Hamsa“, steht für Schutz vor Unheil und bösen Blicken. Genau diese neue Schutzhülle wird in der Erzählung gesucht, für die Mutter selbst, aber auch für die Beziehung zu ihrer Tochter. Mit dem Verlauf des Märchens tritt der Geist in den Hintergrund und die Mutter-Tochter-Geschichte dringt an die Oberfläche. Geschildert in zarter, bildreicher Sprache, werden in dem Bändchen der schmerzhafte Weg und der Umgang mit der Krankheit der Tochter thematisiert. Das Buch beschränkt sich dabei nicht auf die Perspektive der Mutter, denn während diese eine sprachliche Ebene findet, zeigen die Aquarelle von Janina die Dimensionen ihrer Emotionen und ihren Blick auf die Welt. Sorgfältig ausgesucht und zugeordnet, umrahmen die Bilder den Text, der parallel in Deutsch und Englisch zu lesen ist. Der Autorin gelingt ein außergewöhnlicher Spagat: Klärend setzt sie ein knappes Vorwort vor die Erzählung, in der sie ihre eigene Position offenlegt. Und trotzdem gelingt ihr anschließend eine wunderschöne Erzählung, in der es nicht um sie als Person, sondern viel allgemeiner, um das Thema Mutterschaft von extrem hilfebedürftigen Kindern geht. Was das für die Rolle der Mutter-Kind-Beziehung bedeuten kann wird hier genauso enttabuisiert, wie die Gefühle der Mütter selbst.

Das Bändchen schließt mit einem Kommentar der Sozialpädagogin und Psychodramaleiterin Hilde Gött ab und bezieht somit auch eine professionelle Perspektive ein. Ein lehrreiches, emotionales, künstlerisches und gleichzeitig spannend zu lesendes Büchlein und das unabhängig davon, ob man die Erfahrung der Autorin teilt oder nicht.

Magdalena Herzog, 10.8.2015
Herausgegeben von Nea Weissberg
Lichtig-Verlag, Berlin 2009
Harcover, bibliophile Ausgabe, 17 Abbildungen
ISBN: 3-929905-22-1
Preis: EUR 14,90

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